Es schüttelt das Pferd

Quote oder Dekarbonisierung? Das alte Bio-Verkehrsmittel Pferd stieß Klimagas Kohlendioxid im laufenden Betrieb aus – übers Maul und die Nüstern. Dekarbonisierung hätte es umgebracht – Biokraftstoffe vielleicht auch. Foto: Axel Kleinknecht/pixelio.de

von Dittmar Koop

Die europäische Biokraftstoffpolitik ist ein Zwitter. Sie hat zwei Instrumente, um die Entwicklung des Markts von Biosprit zu lenken: Das eine Instrument ist die Biokraftstoffquote – sie gibt einen bestimmten Anteil an Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor einzuhalten bzw. zu erreichen vor. Bis 2020 sollen sie nach der RED 10 % der Energie im Verkehrssektor bereitstellen. Das andere Instrument ist die Dekarbonisierung – sie gibt die erreichten und zu erreichenden Reduktionen von Treibhausgasen im Verkehrssektor an. Die Dekarbonisierung misst also nicht konkret den Biokraftstoffanteil, sondern allgemein die Verringerung von Treibhausgasen im Verkehrssektor – die aber kann auf unterschiedliche Art und Weise betrieben bzw. erreicht werden.

Bisher ist die Biokraftstoffquote das Hauptinstrument. Die Messung in Form von Dekarbonisierung läuft praktisch im Hintergrund. Als erstes Land in der EU hat Deutschland 2015 nun von der Biokraftstoffquote vollständig auf die Dekarbonisierung umgestellt. Das hat weit reichende Folgen für die weitere Entwicklung des Biokraftstoff-Markts.

Damit erhalten die Biokraftstoffe, die mehr Treibhausgase (THG) reduzieren als andere einen neuen Stellenwert. Die Biokraftstoffquote nämlich sieht nur eine THG-Minderungslatte vor, die von einem Biotreibstoff nicht unterschritten werden darf. Liegt er darunter, kann der Biokraftstoff nicht auf die Quote angerechnet werden. Derzeit liegt die Latte bei 35 % weniger THG zu fossilem Vergleichssprit. Folglich gibt es derzeit keinen Anreiz, aus marktwirtschaftlichen Gründen mehr THG-Reduktion zu bringen als verlangt – insbesondere, wenn die zusätzliche Reduktion das Produkt verteuert.

Der zentrale Unterschied, der durch diese Umstellung geschieht: Vermiedene Emissionen von Treibhausgasen erhalten im Verkehrssektor nun einen Marktwert. Das hört sich zunächst gut an, ist aber bei näherer Betrachtung fragwürdig in der Wirkung. Denn es gibt einen dicken Pferdefuß. Die Mineralölindustrie, die letztendlich die Quote oder die Dekarbonisierung am Markt zu erfüllen hat, wird plötzlich in die Lage versetzt, mit selber Menge bezogenen Biotreibstoffs die bislang erreichte gesetzliche Vorgabe (Quote) nun überzuerfüllen (Dekarbonisierung). Denn nach der Quote fiel ja alles, was über die 35 % THG-Reduktion ging, rechnerisch nicht ins Gewicht. Nun schon. Folge: Sie könnte den Biosprit-Bezug reduzieren. Daneben ist zu erwarten, dass es bei Biokraftstoffen aus der ganzen Welt verstärkt THG-Luftzahlen geben wird.